Penisverkrümmung, IPP, Peyronie – Potenzdoktor klärt auf!

Kein Penis ist von Natur aus kerzengerade! Doch welche Peniskrümmung ist normal und ab wann spricht man von einer Krankheit? Gibt es natürliche Methoden, den Penis zu begradigen und ist ein krummer Penis nur ein kosmetisches Problem?

Fakt ist: Eine leichte Peniskrümmung ist komplett natürlich. Hat der Mann eine Erektion, fließt Blut in die Schwellkörper des Penis, damit er steif werden kann. Da diese niemals exakt gleich lang sind, biegt sich der Penis in die Richtung des kürzesten Schwellkörpers und eine leichte Krümmung ist die Folge. Hier variiert die Natur und so unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich ist auch die Biegung des Geschlechtsteils.

Ist nun aber der Fall gegeben, dass der Penis einen erkenntlichen Knick hat, die Krümmung sehr stark ausfällt oder Schmerzen während der Erektion auftreten, spricht das im Regelfall für eine Penisverkrümmung. Die Wissenschaft spricht hier von zwei Formen der Krümmung; einer angeborenen Penisverkrümmung (Penisdeviation) oder einer erworbenen Penisverkrümmung (Peyronie oder auch Induratio penis plastica, kurz IPP). Grundsätzlich kann man sagen: Ab einer Verkrümmung von 30° spricht man im klinischen Sinne von einer „Penisverkrümmung“, ab einem Wert von 60° treten häufig Probleme beim Geschlechtsverkehr auf. Ist letzteres der Fall oder die Person leidet unter Schmerzen oder starken Einschränkungen, gilt der Betroffene als behandlungsbedürftig. Nebst einem operativen Eingriff gibt es aber auch die Möglichkeit von alternativen Behandlungen, die zu einer Begradigung des Gliedes führen sollen. Diese besprechen wir in diesem Artikel: Penisbegradigung.

Penisverkruemmung, IPP, Peyronie beim Mann

Angeborene Penisverkrümmung (kongenitale Penisdeviation)

Die angeborene Penisverkrümmung, auch kongenitale Penisdeviation genannt, wird meist schon bei Neugeborenen festgestellt. In einigen Fällen tritt sie auch erst mit Eintritt der Pubertät ein. Betroffen sind hier etwa 3-5% der Männer in Deutschland.
Es handelt sich hierbei um eine Deformation des Penis, die in den meisten Fällen nur ein kosmetisches Problem darstellt. Häufig ist bei den Betroffenen ein sichtbarer Knick des Penis erkennbar, ebenso kommt es zu einer Achsabweichung des Geschlechts zur Seite (lateral), nach oben (dorsal) oder, wie bei der angeborenen Krümmung sehr häufig, nach unten (ventral). Auch eine mehrfache, „korkenzieherartige“ Drehung ist möglich.
Eine Beeinträchtigung des Sexualverkehrs ist hierbei eher selten zu vermelden, anders als bei der Peyronieschen Krankheit (Peyronie/IPP). Trotzdem sind viele Fälle bekannt, in denen die Krankheit die Patienten psychisch so belastet, dass sie eine Depression entwickeln, in Folge dessen es zu nicht organisch bedingten Potenzstörungen und Problemen beim Sex kommen kann.

Bezüglich der Gründe der angeborenen Penisverkrümmung tappen auch die Wissenschaftler noch im Dunklen. Bekannt ist, dass sie auf Fehlern im Erbgut beruhen, die zur Folge haben, dass die Bindegewebshülle der Schwellkörper unterschiedlich lang ausgebildet wird. Dies ist vermutlich auf einen Mangel an männlichen Sexualhormonen während der embryonalen Entwicklung zurückzuführen. Häufig tritt die kongenitale Peniskrümmung mit anderen Erkrankungen des Geschlechtsorgans auf, zum Beispiel:

  • Hypospadie
  • Megalourethra
  • Epispadie

Erworbene Penisverkrümmung (Peyronie/IPP)

Was ist IPP? Nebst der angeborenen Penisverkrümmung besteht auch die Variante einer erworbenen Penisverkrümmung, auch bekannt als Peyronie oder Induratio penis plastica, kurz IPP.

Die Diagnose IPP tritt meist bei Männern mittleren Alters ein und betrifft circa 3% der deutschen Männer, obwohl die Dunkelziffer laut Experten vermutlich höher liegt. Man spekuliert hier auf ca. 10% der männlichen Bevölkerung in Deutschland.

Im Falle der Peyronie-Krankheit sind die Probleme meist nicht nur optischer Natur, sondern beeinträchtigen den Betroffenen stark.  Im Gegensatz zur kongenitalen Penisverkrümmung tritt die – häufig nach oben gewandte – Verkrümmung plötzlich auf und führt zu Symptomen wie:

  • schmerzhaften Erektionen,
  • Probleme beim Geschlechtsverkehr
  • Undurchführbarkeit des Geschlechtsakts (erektile Dysfunktion)

Bei letzterem kann sich der Penis aufgrund der Verkrümmung nicht ausreichend versteifen.

Nebst körperlichen Symptomen ist hier vor allem der psychische Leidensdruck sehr stark: Jeder zweite IPP-Betroffene leidet aufgrund der Krankheit unter einer Depression.

Neben den körperlichen Merkmalen, die der kongenitalen Krümmung ähnlich sind, kann man bei Peyronie-Erkrankung längliche Knoten („Plaques“) am Penis ertasten. Diese befinden sich in den meisten Fällen vor allem an der Penisoberseite. Die Krümmung des Penis ist bei dieser Form der Erkrankung meist nach oben gewandt und tritt zumeist bei der Erektion auf.

Verlauf der Krankheit

Für gewöhnlich verläuft die Erkrankung in zwei Phasen: Beim Großteil der Männer beginnt sie mit dem Auftreten der Krümmung und damit verbundenen Schmerzen. Doch wirklich tückisch ist die zweite, die sogenannte ’stabile‘ Phase. Während dieser stagniert die Weiterbildung der Krümmung meist und die Patienten sind schmerzfrei. Die ’stabile Phase‘ tritt bei den meisten Betroffenen nach etwa einem Jahr ein und führt in einigen Fällen dazu, dass sich die Personen in Sicherheit wiegen und die Behandlung nicht mehr für nötig halten – ein großer Fehler, denn das Krankheitsbild von IPP spricht von einem ‚schubweisen Verlauf‚.

Frau mit Graph zur Darstellung von Krankheitsverlauf

Wie kommt es zur erworbenen Penisverkrümmung?

Es gibt laut Wissenschaft verschiedene Theorien. Nicht nur das Erbgut spielt möglicherweise bei IPP eine Rolle, auch Biegeverletzungen beim Geschlechtsverkehr und generell bei Überdehnungen des erigierten oder halberigierten Glieds stehen in Verdacht, Auslöser für IPP zu sein. Die Verkrümmung wird hierbei durch das gebildete Narbengewebe verursacht. Eine weitere Theorie ist, dass die Plaqueansammlungen durch kleine Verletzungen oder Entzündungen entstehen.

Fakt ist: Die Verhärtungen im Penis, egal welcher Form, führen dazu, dass sich der Schwellkörper nicht mehr richtig ausdehnen kann: Eine Peniskrümmung ist die Folge. Auch eine verkürzte Harnröhre kann Auslöser von Peyronie sein. Weiterhin steht auch folgendes in Verdacht IPP auszulösen:

  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • harter Geschlechtsverkehr
  • Drogen

Auch Medikamente gegen Erektionsschwächen (zum Beispiel Alprostadil) werden zum Thema genannt, bei diesen gilt die Verkrümmung als ‚Nebenwirkung‘.

Sollte man also Verdickungen oder flache und längliche Knoten am Penis ertasten, empfiehlt sich ein Gang zum Urologen, denn der Verlauf der Krankheit ist nicht einheitlich. Bei einigen Männern tritt IPP plötzlich auf, bei anderen ist es ein schleichender Prozess. Ebenso kann im Verlauf der Peyronie, wie oben genannt, plötzlich ein Stillstand auftreten oder sie geht in ein chronisches Stadium über. Da viele Betroffene Phasen von Schmerzfreiheit (die sogenannte ‚Schmerzfreie IPP-‚ oder ‚stabile Phase‚) durchlaufen, wird die Peyronie oft unterschätzt und ein Handeln tritt erst spät ein.

Generell gilt: Je früher man IPP erkennt und behandelt, umso größer ist die Chance auf Heilung. Spätestens beim Auftreten von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder der Masturbation ist ein Gang zum Urologen Pflicht und sollte nicht aus Scham vor sich hergeschoben werden.

Was erwartet mich bei einem Besuch eines Facharztes?

Sollte man Anzeichen von IPP an sich entdeckt haben, empfiehlt sich ein Gang zum Facharzt. In den meisten Fällen ist dies erstmal der Urologe, doch auch der Gang zum Hausarzt ist eine Möglichkeit, für gewöhnlich überweist dieser den Patienten aber direkt zum Fachmann.

Vor jeglicher Untersuchung durchläuft man erstmal ein ausführliches Gespräch, in dem der Arzt ihre Krankheitsgeschichte und aktuellen Symptome kennenlernen möchte. Es empfiehlt sich, hier offen und ehrlich zu sein und sich immer wieder klar zu machen, dass Ihr Gegenüber als Fachmann mit ähnlichen Fällen vertraut ist und Sie sehr professionell und unpersönlich angeht – Schamgefühl kann man also bedenkenlos beiseitestellen.
Der Urologe braucht Informationen zu den Symptomen (Welche Symptome treten auf? Seit wann? Inwiefern beeinträchtigen diese Sie?) und den eventuellen Schmerzen (Sind diese permanent oder treten sie nur bei Erektion des Penis auf?). Zudem wird er Näheres über die aufgetretenen Verkrümmungen wissen wollen (Wie sehen sie aus? Haben sie sich verändert?) und nach Auftreten der oben genannten Plaques fragen.

Ein Bestandteil des Gesprächs ist es auch, herauszufinden, wann und wodurch die IPP aufgetreten sein könnte. Wenn man also weiß, welche Ereignisse eventuell der Auslöser sein könnten sollte man seinen Arzt darüber informieren. Hierbei spielen auch eventuelle Begleiterkrankungen oder bekannte Fälle von IPP in der eigenen Familie eine Rolle.

Es empfiehlt sich, dem Urologen aussägekräftige Bilder des Penis im erigierten Zustand mitzubringen. Hierbei sollte man die Penisverkrümmung, am besten aus verschiedenen Blickwinkeln, gut erkennen.

Im Anschluss an das Erstgespräch folgt eine Tastuntersuchung. Diese wird am nicht-erigierten Penis vorgenommen. Beim Abtasten streckt der Arzt den Penis leicht und tastet den Schaft nach Plaques ab. Diese werden nach Anzahl, Lage und Größe dokumentiert, damit eventuelle Änderungen im Verlauf der Krankheit erkannt werden können.

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